STYLISTIC OPENING AT KLUBLABOR
Tuesday, May 15th, 2007
Das Grand Opening von DMY 2007 wird von einer runden Party im KLUBLABOR begleitet, einer multimedialen Erlebniswelt zwischen Musik, Visuals und Raumgestaltung. DMY hat zwei der DJs, Alexandra Dröner aka Half Sick/Half Girl, eine Hälfte der Sick Girls, sowie Matthew Sims aka Mount Sims, zu ihrer Position zwischen Musik und Design befragt.
DMY: Die Diskussion um die Entwicklung der Musik, insbesondere elektronischer Musik bzw. Musik mit explizit clubkulturellem Hintergrund, wurde in den letzten Jahren immer auch von einer stark ästhetischen Perspektive aus geführt. Inwieweit hat die Öffnung der Clubkultur hin zu einem
stärker ästhetisierten Umfeld unter Einbindung von Elementen mit klar gestalterischem Bezug wie Grafik Design, Fashion oder Street Art Euer Verhältnis zur Musik selbst sowie Eure Tätigkeiten in der Musik beeinflusst?
Alexandra: Die Synergie zwischen Design im weitesten Sinne und elektronischer Clubmusik hat meines Erachtens in den frühen 90ern begonnen. Parallel zur Entwicklung und Verbreitung elektronischer Musik in Clubs und auf Parties wurde auch eine passende Zeichenwelt, ein eigener Code benötigt um sich einerseits abzugrenzen und andererseits untereinander zu verständigen, wie die Mitglieder einer Geheimloge. Icons wie der Smiley, grafische Darstellungen wie die Mandelbrot Menge, ein Kleidungsstil der sich aus den Gegebenheiten des Raves entwickelte usw. zeugen davon. Meine Tätigkeiten wurden davon schon immer beeinflust, beziehungsweise habe ich durch meine Tätigkeiten diese Ästethik beeinflusst ob als Bookerin, Türsteherin, Veranstalterin oder Journalistin. Ich bin ein designorientierter Mensch, für mich ist auch das Aussehen eines Salzstreuers wichtig, ebenso wie der richtige Font auf einem Flyer oder die richtige Brille auf meiner Nase. Mein Verhältnis zur Musik allerdings wird immer zuerst durch meine körperliche Reaktion bestimmt: stellt sich dieses ganz gewisse Glücks- und Erfüllungsgefühl beim Hören nicht ein, kann auch eine damit verknüpfte superschicke Ästhetik nichts daran ändern - die Musik wird mich kalt lassen.
Matthew: Die Beobachtung ist richtig, trifft aber nicht nur für Clubmusik zu, sondern eigentlich für jede Art von Musik. Es war schon immer so, daß bestimmten Musikrichtungen bestimmte Images zugeschrieben wurden, bzw. Musik bestimmte kulturelle Assoziationen implizierte, die der Herausbildung einer bestimmten Ästhetik dienten, ob progressiv oder rückwärtsgewandt. Was die Clubkultur betrifft, manifestiert sich diese spezifische Ästhetik auf unterschiedliche Art und Weise mittels Sound, Visuals, eines bestimmten Konzepts, Mode usw. All dies wurde traditionell zur Vermittlung einer unterschwelligen Message genutzt bzw., wenn man so will, zur Herausbildung eines Newssflusses und zur Filterung von Informationen aus dem Mainstream zum Zwecke der Umwandlung in etwas sehr viel ursprünglicheres. In meinem Umgang mit Musik war es mir immer wichtig zu untersuchen, wie Bild und Ton auf dieser ursprünglichen Ebene interagieren, als auch in welche Widersprüche sie geraten können, aus denen sich kulturelle oder historische Brüche ergeben. Zum Beispiel fand ich die mythologische Aufladung von Mode immer sehr effektiv, um die Verschmelzung von Bild und Musik zu erkunden. In diesem Zusammenhang ist Mode nicht nur ein Medium der Attraktion (wie in dem Spruch: “Wenn es nicht sexy ist, ist es nicht schick”), sondern auch zur Verdrehung moderner Ästhetik… auf diese Weise werden neue Assoziationen aus alten Symbolen geschaffen. Ich tendiere dazu, Text und Musik auf gleiche Art und Weise einzusetzen.
DMY: Fashion, Grafik, Street Art, Visuals, aber auch Produkt Design und Architektur haben Musiker nicht nur ästhetisch beeinflusst, sondern auch Spuren in deren Produktionsverfahren hinterlassen. Alexandra, wie siehst Du die weitere Entwicklung für Musik? Welche Chancen ergeben sich Deiner meinung nach für das Sound Design innerhalb dieser Welt extrem diversifzierter künstlerischer Ansätze und Interessen?
Alexandra: Für mich besteht der Verlauf von Musik- und Designentwicklung stets aus Bewegung und Gegenbewegung. Auf eine hochtechnisierte Phase kann die Rückkehr zu analogen Gerätschaften folgen, wie zum Beispiel das neue Simian Mobile Disco Album belegt. Auf eine Phase verwaschener Grau-schwarz Übungskeller-Ästhetik folgt ein knallbunter Legowelt-Modetrend und so fort. Die Chancen liegen dabei in eben dieser Vielfalt, je mehr Bewegung, umso mehr Gelegenheit zur Gegenbewegung.
DMY: Das Konzept der Klublabor-Nächten bezieht sich seit Anbeginn auf die Verschränkung von Design und Club-Kultur. Interdisziplinärität und Mash-Up sind heute die Schlagworte, die auch und gerade in der Popkultur den Weg weisen. Sound, Visuals und Raumgestaltung verschmilzen zum großen Ganzen. Matthew, wie beurteilst Du den aktuellen Stellenwert von Musik in diesem Zusammenhang?
Matthew: Musik vermittelt immer bestimmte Haltungen. Wie das Emotionale auch, basiert sie auf Einstellungen, und bedient sich nichtbegrifflicher Darstellungssysteme, um zu kommunizieren, was relevant ist. Atem und Herzschlag sind die ersten rhythmischen Muster die man erlebt, beide repräsentieren Leben. Und beide unterliegen zu 99% einer unterbewußten Kontrolle. So gesehen hatte Musik immer die Aufgabe, bestimmten Haltungen oder Konzepten Ausruck zu geben, und mithilfe visuellen und raumbezogenen Designs wird sie das in Zukunft vielleicht auf viel konkretere Weise tun können. Manche Einsichten existieren eben noch nicht, weil man mehr als Worte braucht, um sie zu vermitteln. Sound, Visuals und raumbezogenem Design sind dabei Formen, unser Bewußtsein zu erkunden, und ein Stück weit auch das Unbewußte. Sie sind Symbole, über die wir unsere Realität definieren. Indem wir diese Elemente verknüpfen, können wir unsere Welt ganz anders wahrnehmen, und auf diese Weise ändern wir sie auch schrittweise.
DMY: Vor dem Hintergrund des Web 2.0 und der daraus resultierenden Bedürfnisse nach immer komplexeren Erlebniswelten verändert sich auch das Rezeptionsverhalten von Konzertbesuchern und Partygängern. Wo früher eine gute Anlage, etwas Licht und eine motivierte Crowd reichten, bestimmen heute immer mehr das Bedürfnis nach multimedialen und interaktiven Erlebnisräumen das Musikerlebnis: die Party oder das Konzert als begehbare Installation, virtuell produziert, real erlebbar. Inwieweit wird der Musiker oder DJ in dieser Welt überhaupt noch wahrgenommen? Wie seht Ihr hier Eure eigene Position?
Matthew: Es ist klar, daß die Rolle des Musikers extrem von den Voraussetzungen der Plattform für dessen Peformance abhängt. Wenn seine Rolle einfach nur darin bestehen soll, die Leute zu unterhalten, wird der ‘Musiker’ auf die Rolle eines abgestandenen Helden der Popkultur reduziert. Wenn die Motivation jedoch darin liegt, simple Nostalgie zu durchbrechen und neue Diskurse loszutreten, neue Wahrnehmungsweisen oder irgendeine Art Transzendenz zu erreichen, dann würde ich den Musiker als Hohepriester ansehen, der die Imagination mittels Musik, Visuals, Designs, Kunst usw. zu enzünden vermag. Die volle Wirkung seiner Rolle hängt allerdings vom Publikum ab. Wenn die Hörer sich auf eine eingefahrene Erwartungshaltung zurückziehen, können die Bemühungen des Musikers sowie der Raum selbst nur begrenzt erfahren werden. Dies ähnelt dann dem Klang eines Schreies unter Wasser.
Alexandra: Für mich stellt sich hier die Frage, ob denn tatsächlich ein Bedürfnis nach ‘komplexen Erlebniswelten’ existiert oder ob es uns in unserer technisch überzüchteten Kultur aus z.B. wirtschaftlichen Gründen suggeriert wird. Man kann man auch in einem staubigen Kellerloch mit einer Lampe und nur 20 Leuten eine Megaparty haben, genauso wie man sich auch an einem durchkonzipierten Multimedia-Event begeistern kann - es darf und soll beides sein.
DMY: In diesem Sinne…vielen Dank. Wir sehen uns auf dem Dancefloor!
The Grand Opening of DMY 2007 kicks off with a perfect party at the KLUBLABOR, a multimedia discovery world at the crossroads between music, visuals and interior design. DMY met two of the DJs, Alexandra Dröner aka Half Sick/Half Girl, one half of the Sick Girls, and Matthew Sims aka Mount Sims, and questioned them about their position between music and design. DMY: In the past few years, the discussion related to the development of music, especially electronic music or music that is explicitly related to club culture, has taken a strongly aesthetic turn. To what extent has the transition of club culture towards an irrefutably aesthetic environment involving elements with a strong creative aspect such as graphic design, fashion or street art influenced your relationship to music, and your role within music? Alexandra: I would say that the synergy between design in the general sense and electronic club music appeared in the early Nineties. With the development and the popularization of electronic music in clubs and at parties, a related sign world - a special code - was required to differentiate oneself on the one hand, and to communicate on the other hand, like members of a secret loge. For instance, icons such as smileys, graphical representations such as the Mandelbrot set, or the type of clothing that emerged from the rave culture all bear witness to this. My activities have always been influenced by there factors - and adversely, I have always influenced these aesthetics through my activities as a booker, bouncer, organiser or journalist. I am a design-oriented person – the aspect of a salt shaker is important to me, as is the right font on a flyer or the right glasses on my nose. My relationship to music, however, is always defined by my initial physical reaction: if this special feeling of bliss and fulfilment doesn’t arise in me while I listen, cutting edge aesthetics will be of no avail – the music will leave me cold. Matthew: Well, this is not only true about music, but about music in general. Image has always been perceived as an accompaniment of a particular style of music, given the fact that there exist particular cultural associations within music, which support the organization of aesthetics, be they progressive or destructive. As for club culture, these particular aesthetics function in many ways, via sound, video, themes, fashion, etc., all of which were classically used to support an undercurrent, if you will, of information and/or the filtering of mainstream information into something based on a very primal scheme. My relationship to music has been always more of a need to explore how image and sound relate in this primal context, as well as how they may conflict with one another, therefore causing a cultural or historical distortion. For instance, incorporation of mythology into fashion is one of the cross pollinations which I have found effective in the expression of image married to music. Indeed, fashion is not only a tool for attraction (true to the old saying “if it ain’t sexy, it ain’t fashionable”) but also for distortion of modern aesthetics… and this is how new association are drawn out of old symbols. I tend to use lyrics and music in the same way. DMY: Fashion, graphic art, street art, visuals, but also product design and architecture have not only influenced musicians aesthetically: they have also left traces in their production processes. Alexandra, how do you perceive future developments in music? What chances will emerge for sound design within this world of highly diversified artistic approaches and interests? Alexandra: In my opinion, the development of music and design is always the result of movement versus countermovement. For instance, a highly technologised phase can resurrect analogue equipment, a phenomenon the new Simian Mobile Disco album illustrates perfectly. A faded grey-black rehearsal room phase is followed by a brightly colored Lego-like trend, and so on. The dynamics spring from this diversity – the more movement we have, the bigger the countermovement. DMY: From day one, the concept of the Klublabor nights was based on the interconnection of design and club culture. Today, “interdisciplinarity” and “mash-up” are the key-words that pave the way, especially in pop culture. Sound, visuals and interior design merge into a global concept. Matthew, how would you define the current status of music within this context? Matthew: Music represents an idea. Much like emotion, it is based upon ideas and uses an abstract notation to communicate “things”. Breath and heartbeat are the first rhythmical music that one experiences; both are symbols of life, and 99% of the time they are controlled by our subconscious. Given this fact, we understand that music has been historically used to protect specific ideas, and with the help of visuals and spatial design, it will possibly help to further refine things into more specific ideas - words that don’t yet exist, because some ideas need more than words to be communicated. All of these types of sounds, visuals, and spatial design are methods of mapping consciousness, and to some degree the unconscious. They are symbols that are effective in defining our reality. By merging these elements, we are able to perceive our surroundings in a different manner, and therefore slowly modify our reality via these combinations. DMY: With the introduction of products such as Web 2.0, which trigger the need for increasingly complex worlds of experience they trigger, the expectation level of concert and party-goers has evolved considerably. A good sound-system, a little lighting and an enthusiastic crowd used to keep everybody happy – while today, people have a growing need for musical events to be multimedia and interactive worlds of experience - the party or concert as an accessible installation, virtually produced, directly experienceable. To what extent is the musician or the DJ still respected within this context? How to you view your own position? Matthew: The musicians’ role varies immensely according to their performance platform. For instance, if the platform is purely based on entertainment, then the ‘musician’ is simply reduced to an icon or a vague representation of a past pop culture hero. However, if the experience has the motivation to challenge nostalgia and generate a new discourse, a new way of seeing, then I would describe the musician as a high priest who ignites imagination through the use of music, visuals, design, art, etc. However, the global role depends on the audience. If the audience relies upon a preconceived notion of the experience, then the performer’s efforts and the space itself are only partly experienced, just like a shouting voice heard under water. Alexandra: I believe that the actual question is about the real need for so-called complex worlds of experience, or if our over-technologised culture only suggests this for economic reasons. You can have the best party ever in a dusty cellar with one lamp and twenty people, just as you can dazzle crowds with a highly sophisticated multimedia event – both can and should be possible. DMY: If that’s how it is…thank you so much. And see you on the dance floor!
